5000 Meter Startüberhöhung

25 10 2011

Es war schon am Wochenende klar, der Dienstag wird ein Starkwindtag. Und so haben Luka, Wolfram und ich ausgemacht, uns einen schönen Tag beim Fliegen zu machen.

Wir treffen uns um kurz nach 9 Uhr am Flugplatz, wir müssen noch die 2D für Luka und die SC für mich aufbauen.

Ich mache den ersten Schlepp in die Welle, und will mich in der Welle über Benediktbeuren hochmachen. Zwar kann ich ein wenig dort steigen, doch in 2000 Meter verliere ich die Welle und bin nach etwas über 40 Minuten wieder am Boden. Wolfram und Luka lassen sich zum Kochelsee schleppen, und bekommen dort gleich Anschluss. Mein zweiter Schlepp geht dann auch zum Kochelsee.
Bis ich dort eine vernünftige Höhe erreicht habe, berichten Wolfram und Luka schon von gutem Steigen am Wetterstein.

Also mach ich mich auch auf zum Wetterstein. Werfe erst mal einen Blick zum Sojern.

Und dann werfe ich natürlich auch noch einen zum Wettersteingrat, der mich bald hoch tragen soll.

Auch die Zugspitze ist nach dem ersten Steigen ein Foto wert.

Jetzt soll es möglichst schnell nach Österreich gehen, denn dort bekomme ich erfahrungsgemäß mit meinem Transponder sehr einfach eine Freigabe um auf über FL125 zu steigen. Auf dem Weg dorthin treffe ich die Wettersteinwelle nicht so richtig, aber nachdem Luka davon berichtet, dass der Grat zur Zugspitze gut geht, fliege ich halt einfach weiter ins Luv des Wettersteingrats. Nach einem freundlichen Gespräch mit Innsbruck Radar darf ich dort bis FL160 steigen. Ich steige südlich der Zugspitze nur mit etwas über 5m/s, Wolfram berichtete von über 7 m/s. Tief unter mir sehe ich einen Segelflieger über die Mieminger zur Zugspitze fliegen, ganz weit unten auch irgendeinen Lufthansaflieger. Ich versuche mich in einem Abstecher nach Westen bis Imst.

Auf dem Weg dort hin, kann ich wunderbar ins Unterengadin schauen.

Doch nachdem ich auf dem Weg nach Imst über den Wolken kein Steigen finde, geht es bald wieder zurück Richtung Zugspitze.

Zwischen Mieminger und Zugspitze geht es wieder im Sauseschritt nach oben, und ich kann meinen Blick wieder gegen Westen richten.

Diesmal probiere ich es Richtung Reute,

aber auch da kehre ich bald wieder zu meiner alten Steigstelle zurück.

Soll ich es doch am Hang probieren, so wie es Luka ganz offensichtlich nach seinen Funksprüchen macht. Aber will ich mir das heute antun, wo es doch hier oben so majestätisch ist, und ich noch nicht abschätzen kann, wann ich das nächste Mal hier unter der Woche fliegen kann. Wolfram berichtet davon, dass er am Aachensee wieder gutes Steigen hat, so beschließe ich die Nordkette entlang zufliegen, um dann wieder zurück zum Platz zu gleiten, denn es ist schon ganz schön zapfig da oben (-10°C).

Die Nordkette hat eine Wolkenfahne, die aus der Ferne gut zu erkennen ist.

Kurz überlege ich, doch über das Karwendel zu fliegen, bleibe aber dann doch bei der Entscheidung Nordkette.

An der Nordkette angekommen, breiten sich wie Wolken ein wenig nach Süden aus, und als ich dem freundlichen Lotsen sage, dass ich ein wenig ins Tal ausweichen muss, schlägt er mir vor, doch zu den anderen Segelfliegern am Glungenzer zu fliegen. Ich sagen ihm, dass ich den Berg nicht kenne, und er beschreibt ihn mir treffend als einen Berg östlich vom Patscherkofel. Bei er Querung der Tals finde ich schon gutes Steigen, und muss den Lotsen bald bitten, mir über FL160 freizugeben. Erst 180, dann 200, dann 230 und schlussendlich 240. Für die höheren Freigaben muss er mit München koordinieren. Er meint nur trocken für die Freigaben über 200 schulde ich den Lotsen in München ein Bier.

So geht es mit gebührendem Abstand an den Wolken hoch. Dabei gibt es wunderbare Blicke, auf den Kaiser, das Voralpenland und auch die Wolken im Süden.

Bei FL180 denke ich zum ersten mal, ich könnte heute meine 5000 Meter Startüberhöhung machen. Ich mache mir Gedanken über Abstiegszeiten, TUC und meinen Sauerstoffvorrat, der nicht besonders reichlich ist. Das Steigen wird ein wenig schwächer, und ich erinnere mich an meinen Flug mit Trevor, der mir sagte, ich flöge immer zu nahe an den Wolken. Also gehe ich weiter nach Süden und finde dort wieder deutlich besseres Steigen.Ich hoffe auch bald in die Sonne zu kommen, damit der Eisansatz in der Haube an den Turbulenzkeilen der Haubenfäden sich wieder abbaut.

Nun gilt meine Sorge nicht mehr dem Sauerstoff, sondern dem Fakt, dass ich die Freigaben schnell genug bekomme. Die letzte Freigabe, die Innsbruck wieder mit München koordinieren muss, und München will nun plötzlich meinen Startflugplatz und meinen Flugzeugtyp, auf FL240 bekomme ich gerade rechtzeitig.

In knapp 7000 Meter angekommen, höre ich nun das vertraute Geräusch des Sauerstoffs nicht mehr. Ich höre zwar auch den Warnton für zu geringen Sauerstoffdruck nicht, nur kann ich leider das Manometer nicht ablesen. Also entscheide ich mich zu einem sehr schnellen Abstieg. Ich fliege erst Richtung Zillertal, und darf dann gleich die Kontrollzone Richtung Achensee durchfliegen.

Bald kann ich auch schon wieder den Walchensee sehen, und befinde mich Gedanklich schon im Endanflug. Jetzt fängt die Warnung des Sauerstoffgeräts an, die mich vor zu geringen Sauerstoffdruck warnen soll. Also war die Entscheidung, schnell abzusteigen, nachdem ich das Atmen nicht mehr gehört habe, doch die richtige Entscheidung.

Nachdem es hier deutlich wärmer ist, ich bin ja auch über 4000 Meter tiefer, schalte ich wieder weg vom Endanflug, und fliege erst mal wieder bis zum Kochelsee, da dort Olli und Wolfgang in der 1000 Steigen melden. Doch was Richtiges ist da nicht mehr, und so geht es die Benewand im Süden entlang wieder nach Osten. Ich probiere nochmal die Welle zwischen Benewand und Blomberg, doch wie auch schon beim ersten Versuch heute, komme ich nur auf ein wenig über 2000 Meter.

Mir wird klar, ein wunderbarer Flug geht langsam zu Ende. Ich kann Luka beobachten, wie er tief im Süden an der Benewand entlang fliegt, und dann unten in die Benewandwelle einsteigt.

Ich umrunde noch Tomy’s Rest und lande dann kurz nach Luka.

Am Boden ist dann auch Hans Ratzek da, der mir von ähnlichen Flügen mehr als 25 Jahre in der Vergangenheit in die Welle am Glungenzer berichtet. Auch Edi beschreibt dann ähnliche Flüge aus seiner „Jugend“.

Über eine Stunde nach uns landet Gerhard mit der CS. Er war auch schon 3 Stunden vor uns gestartet, und hatte einen sehr interessanten Flug, die meiste Zeit im Hangaufwind und nicht in der Welle.

Den Flugtag lassen wir in einem Debriefung/Essen am Bibisee ausklingen.

Danke an die Crew von Königsdorf für diesen wunderschönen Tag.


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One response

26 10 2011
KTHO

Hallo Hans, Deine Bilder und Berichte waren immer schon toll, aber dies ist der Hit . Gratuliere Servus KTHO

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